05_Tom

Thomas Stahl (Drums)

Tom alias Darth M.J. TomTom X

Ein herzliches Hallodri ...
... um es auf den Punkt zu bringen:
Eigentlich war ich in meinem früheren Leben mongolischer Essstäbchen-Schnitzer. Eines Tages hatte ich dann einen im wahrsten Sinne des Wortes Riesen-Auftrag:
Nachdem ich vom großen Kahn selbst aufgefordert wurde, für die gesamte pekinesische Sumo-Ringer- Fraktion, kurz P.S.R.F, Essstäbchen zu fertigen, wurde mir sofort klar, hierfür benötigt
man eine Menge Holz vor der Hütte. Ich machte mich also sofort auf in den berüchtigten "CherWok-Forest".
Als alter Dauer-Öko entschied ich mich schon damals dafür nur alte und kranke Mammutbäume
zu schlagen. Das zwang mich allerdings tief in das Gehölz vorzudringen, tiefer als es jemals ein königlich beauftragter, mongolischer Essstäbchen-Schnitzer vor mir wagte.

Die Umgebung wurde immer unwirklicher und plötzlich ...
... ein tiefer, furcht einflößender Schrei: "Naaddddelll!" Der gesamte Wald erzitterte bis in seine Wurzelspitzen. Danach - absolute Stille. Kein Vogelzwitschern, kein Rasseln der im Unterholz auf Beute lauernden Riesenklapperschlangen - nichts. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wer oder was kann das gewesen sein? Ein englischer Laienprediger, der in die giftig spitzen Dornen einer mutierten, urfränkischen Wandertanne getreten ist? Ein herumirrender, einsamer Rubbelprinz auf seiner ersten Extrem-Spanning-Tour? Jürgen W. Möllemann nach einem Fallschirmabsturz? Oder vielleicht doch der endlich ins Exil geschickte Dieter B. nach seiner letzen Veröffentlichung der 187ten Neuauflage von "You`re my heart, you`re my soul"?

Ich pirschte mich durch das Gestrüpp um die Lage genauer zu erkunden. Doch da war es auch schon passiert. Von hinten gepackt baumelte ich in 24,3 Meter Höhe in den mächtigen Pranken eines osteuropäischen Riesenzyklopen (auch als menschenfressender Sachsenpaule bekannt). Zwischen seinen messerscharfen Reißzähnen klemmten noch die Überreste eines bengalischen Subunternehmers für Damenunterwäsche.        
Doch was war das? Aus seinem schleusentorgroßen Auge flossen Tränen der Verzweiflung.
Er fragte mich, ob ich der königlich beauftragte, mongolische Essstäbchen-Schnitzer sei, der im Auftrag des großen Kan für die gesamte pekinesische Sumo-Ringer Fraktion, kurz P.S.R.F, Essstäbchen fertigen soll.
Und ich antwortete etwas verwundert: "Ja!"
"Ich bin gerettet!!!" Schrie er lauthals in den Wald. "Bitte schnitze mir einen Zahnstocher, der stabil genug ist, das Gebein aus meinem Gebiss zu entfernen. Seit 11 Monaten kann ich vor Schmerzen keine feste Nahrung mehr zu mir nehmen und habe seither schon mehr als 400 kg
an Gewicht verloren. Ich verspreche dir, dich danach auch nicht zu verspeisen."   
Da mir mein Leben lieb war, schnitzte ich ihm eine Hand voll, fast 2 Meter lange "Zahnstocher"
aus hartem Mahagoniholz. Geschwächt, aber mit der Kraft der Verzweiflung katapultierte er den Peiniger aus seinem bereits stark entzündeten Gebiss. Sein Auge strahlte wieder und er trommelte völlig erleichtert auf den holen Stämmen bereits abgestorbener Mammutbäume. "Wau, was für ein Sound!"
"Ja, sagte er, neben meinem Beruf als Menschenfresser bin ich leidenschaftlicher Trommler."
Ich gab meinen Job als mongolischer Essstäbchen-Schnitzer auf und schnitzte fortan nur noch drumsticks für uns beide. Klopi alias "Sachsenpaule" spezialisierte sich auf das Verspeisen von lästigen Veranstaltern und Event-Managern und war als Schlagzeuglehrer eine echte Koryphäe.

Da Ruhestörung in "CherWok-Forest" nie ein Thema war, trommelten wir uns Tag ein, Tag aus die
Seele aus dem Leib.
Und wenn wir nicht gestorben sind, dann trommeln wir noch morgen – oder so ähnlich.

Wer jetzt immer noch glaubt, dass Schlagzeuger taktlose und realitätsfremde FUNtasten sind, den lade ich zum nächsten Violet Pilot-Sushi-Essen ein. Stäbchen nicht vergessen!

Euer Onkel Tom